Stress & Gehirn

Aktualisiert: 1. Feb.

Hallo ihr Lieben – auf Instagram habe ich es ja schon angekündigt… ich werde das ganze Blogthema jetzt etwas systematischer angehen. Alle zwei Wochen wird ein neuer Beitrag erscheinen. In der nächsten Zeit möchte ich vor allem einmal die physiologischen Grundlagen des Stressthemas aufzeigen. Denn…

... nahezu alle Bereiche des Körpers können durch chronischen (also lang anhaltenden) Stress entgleisen.

Den Startschuss macht heute der erste Bereich und das Thema: „Stress und Gehirn“.

Kapitel dieses Beitrags:

  • Die Rolle des Gehirns in unserem Körper

  • Gehirnareale, die an der Stressreaktion beteiligt sind

  • Neurogenese und Neuroplastizität – zwei essentielle Funktionen in unserem Gehirn

  • Was passiert bei einer Stressreaktion genau im Gehirn

  • Was können wir nun aber dagegen tun? Wie können wir’s bemerken?

Chronischer Stress kann unsere Gehirnaktivität massiv beeinflussen und Gedächtnis-und Konzentrationsprobleme verursachen.


Was da genau passiert und was man dagegen tun kann, sind die Inhalte dieses Artikels.

Doch bevor ich darauf eingehe, was Stress in unserem Gehirn eigentlich bewirkt, gibt es da ein paar Dinge, die jeder über unsere zentrale Schaltstelle im Körper wissen sollte:


Die Rolle des Gehirns in unserem Körper:

In unseren Körper gibt es verschiedene Systeme, die getrennt betrachtet werden können, aber auch Hand in Hand greifen müssen um zu funktionieren. Z.B.: Stoffwechsel, Immunsystem, Verdauungssystem, Nervensystem und Hormonsystem uvm..


Diese Systeme sind alle vernetzt und direkt oder indirekt voneinander abhängig.

Unser Gehirn ist Teil eines solchen Systems - nämlich Teil des Nervensystems.


Das Nervensystem ist unsere Kommunikationsabteilung im Körper. Mithilfe der Informationsweitergabe des Nervensystems, werden alle weiteren Systeme und Vorgänge werden dadruch in unserem Körper gesteuert.


Unser Gehirn ist mit dem Rückenmark der zentrale Teil dieser Kommunikationsabteilung = Gehirn und Rückenmark bilden das sogenannte zentrale Nervensystem.


Von dieser Zentrale aus gehen unzählige Nerven in die Peripherie unseres Körpers, also in alle unsere anderen Bereiche im Körper. Dazu zählen unsere Hirnnerven, alle Nerven die aus dem Rückenmark führen und unseren ganzen Körper samt Gliedmaßen durchziehen =

peripheres Nervensystem.

Leider ist das noch nicht alles, denn es gibt noch eine weitere Unterscheidung unseres Nervensystems, die sehr wichtig ist!

Nämlich die in vegetatives und somatisches Nervensystem.


Beim Vegetativen brauchen wir das zentrale UND periphere Nervensystem, um die Informationen unserer inneren Organe zu empfangen oder auch dorthin weiterzugeben (Herzschlag, Verdauung, Atmung). Die Prozesse des vegetativen NS (Abk. für Nervensystem) passieren unbewusst, das heißt wir steuern sie nicht willentlich.


Und beim somatischen NS brauchen wir wieder das zentrale UND das periphere Nervensystem um die Informationen von außen, von unseren Sinnen aufzunehmen, aber auch um konkrete, willkürliche Handlungen einzuleiten und an unsere Muskeln Befehle weiterzuleiten.


In beiden Fällen fließen die Informationen außerdem in BEIDE Richtungen. Also vom jeweiligen Organ zum Hirn und vom Hirn wieder retour zum jeweiligen Organ. Reactio - Actio. Das sind unglaublich viele Regelkreise, die sich so auf im dauernden Informationsaustausch aufeinander abstimmen.


Zur Wiederholung - unser Gehirn ist Teil vom zentralen Nervensystem. Von dort werden die Informationen über das periphere Nervensystem zum vegetativen und somatischen weitergeleitet.


Und um das Ganze noch ein bisschen komplizierter zu machen – gibt es noch zwei Modi des vegetativen Nervensystems. Also des Systems, das Informationen und Befehle an unsere inneren Organe, Drüsen und in weiterer Folge auch an unser Hormonsystem weiterleitet.


Den sympathischen Modus (Sympathikus = Stress- und Arbeitsmodus) und den parasympathischen Modus (Parasympathikus = Entspannungs- und Regerationsmodus). Aber dazu ein andermal mehr.


Folgende Gehirnareale sind an der Stressreaktion beteiligt:

Neokortex (Großhirn oder Hirnrinde):


Der Neokortex - unsere Hirnrinde ist der „jüngste“ Teil des menschlichen Gehirns und auch der am weitesten entwickelte. Er ist für unsere bewusste Wahrnehmung und alle kognitiven Prozesse zuständig, er ist gewissermaßen unser „Denkhirn“.


Zum Großhirn gehören allerdings auch tiefer gelegene Strukturen wie zum Beispiel der Hippocampus, der die Überführung von Gedächtnisinhalten vom Kurzzeitgedächtnis zum Langzeitgedächtnis sicherstellt. Schädigungen des Hippocampus können also dazu führen, dass wir uns nichts Neues mehr merken können.


Limbisches System (Zwischenhirn):


Das Limbische System stellt die Verbindung zwischen Kortex und älteren, tiefer gelegenen Hirnregionen (Hirnstamm) her.

Wichtige Teile des Limbischen Systems sind der Thalamus, Hypothalamus u. Hypophyse und die Amygdala. Das Limbische System könnte man auch als „Eingeweiden-oder Gefühlshirn“ bezeichnen.


Der Thalamus ist der Vermittler sensorischer und motorischer Signale zum und vom Großhirn.

Bei ihm laufen alle Informationen der Sinnesorgane zusammen und werden weiter vermittelt.


Der Hypothalamus steuert zahlreiche körperliche und psychische Lebensvorgänge und wird selbst teils neuronal über das vegetative Nervensystem, teils hormonell über den Blutweg gesteuert.

Hypothalamus und Hypophyse (wichtige Hormondrüse des Körpers) sind das zentrale Bindeglied zwischen dem Hormon- und dem Nervensystem.


Die Amygdala, die in der obigen Grafik zu sehen ist, ist die wichtigste Struktur, was das Thema Stress angeht. Sie ist zentral für die Verarbeitung von Gefühlen, insbesondere Angst und Furcht. Umweltinformationen werden von der Amygdala daraufhin überprüft, ob sie für uns gefährlich sind oder nicht.


Die Bereiche des Zwischenhirns sind außerdem noch beteiligt an der Schlaf-Wach-Steuerung, Schmerzempfindung und Temperaturregulation.


Hirnstamm:


Der Hirnstamm ist unser „ältester“ Teil des Gehirns. Es wird auch als Reptiliengehirn bezeichnet. Hier werden u.a. die willkürliche und die unwillkürliche Motorik gesteuert.


Für die Stressreaktion ist der Locus coeruleus („blauer Kern“ im Übergang von Gehirn zu Rückenmark) von besonderer Bedeutung - diese Nervenzellen produzieren etwa ¾ des gesamten Noradrenalins im Gehirn. Aufsteigende Fasern erreichen, den Thalamus und Hypothalamus im Zwischenhirn, sowie den Hippocampus und die Amygdala und projizieren darüber hinaus nahezu auf den gesamten Neocortex. Absteigende Bahnen ziehen zu verschiedenen Kernen im unteren Hirnstamm sowie bis zu Segmenten des Rückenmarks.


Wir haben zwölf Hirnnervenpaare, die den Hirnstamm an unterschiedlichen Stellen verlassen. Für die Stressreaktion wichtig ist hier der 10. Hirnnerv, der sogenannte Nervus Vagus oder auch „Vagus-Nerv“, der in der Medualla (Übergang Rückenmark/Gehirn) entspringt und unsere inneren Organe versorgt. Er ist im Wesentlichen für die Wahrnehmung und Bewegung der vegetative Funktionen zuständig – inklusive Drüsentätigkeit und Hormonausschüttung.


Neurogenese und Neuroplastizität – zwei essentielle Funktionen in unserem Gehirn:


Neurogenese ist die Neubildung von Nervenzellen/Neuronen im Hippocampus (Lernen und Gedächtnis) und im Frontalhirn (Handlungsplanung und Bewegungssteuerung), die unser ganzes eben lang und selbst im hohen Alter noch möglich ist. Bis zu 700 neue Neuronen kann ein Erwachsener am Tag bilden. Diese frischen Neuronen warten wohin si